CONCERTS

Hannah Epperson | Vil

27. September | Nörgelbuff | 21.00 Uhr

© Elissa Crowe

HANNAH EPPERSON

 

Im Januar 2016 begeisterte Hannah Epperson mit Stimme, Geige und Looppedal bei zahlreichen Konzerten in diversen europäischen Ländern – auch im Nörgelbuff. Mit ihren berührenden Klängen zog sie das Publikum reihenweise in ihren Bann. Doch Epperson ist weit mehr als die „ruhige“ Neo-Klassik Künstlerin. Alle ihre Songs existieren auch im Pop-Format und entfalten in diesem Gewand eine fesselnde Dynamik. Es ist also nur konsequent, dass Epperson beide Varianten in einem zweiteiligen Album-Projekt Namens „Slowdown // Upsweep“ veröffentlichen wird. Auf jedem Album werden die Songs jeweils im Pop-Format (Amelia) und im reduzierten Neo-Klassik-Format (Iris) zu finden sein.

Die Namen Iris und Amelia stehen für zwei fiktive Charaktere. Als bipolare Welten vereinen sie sich in einem dritten fiktionalen Charakter Namens Skyler. Skyler ist der narzisstische Protagonist eines Drehbuchs über einen jungen Mann, der sich von der Gesellschaft entfremdet und in eine lebensgefährliche Manie verfällt. Iris und Amelia stehen damit in einem bedrohlichen Spannungsverhältnis. Die Lyrics transportieren das Zwischenspiel zwischen den beiden Charakteren das Reales und Surreales, Endliches und Unendliches miteinander vermischt.
Das erste Album „Upsweep“ wird am 16. September 2016, wenige Tage vor dem Konzert in Göttingen, erscheinen und 10 Tracks – fünf Mal als Amelia, fünf Mal als Iris – enthalten.

Geboren in Salt Lake City, aufgewachsen in Vancouver – Hannah Epperson ist auch biografisch eine Wandlerin zwischen zwei Welten. Kein Wunder also, dass sie heute im Schmelztiegel der Kulturen namens New York ihr Zuhause gefunden hat. Inspiration für ihre Musik zieht sie aus zahlreichen Reisen und diversen Kollaborationen mit anderen Musiker_innen und Kunstbereichen. Für diese vielfältigen Zusammenarbeiten scheint New York der perfekte Ort zu sein. Hier findet Epperson alle erdenklichen Variationen von Kunst und Kultur und überträgt sie in ihre eigene Musik. Das Ergebnis ist ein überaus vielfältiges und erfrischendes Album, eine Seltenheit in einem glatten Musikzeitalter.

 

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Präsentiert von BR Klassik, U21, TapeTV, ByteFM und Bedroomsdisco.

© Julius Rothländer

Support: Vil

In der Abwesenheit eines nächsten großen persönlichen Plans ist mächtig viel Platz – für das Nichts, oder für Kreativität und das Unvorhersehbare. Maria Bay Bechmann and Julius Rothlaender, ganz unterschiedlich örtlich und musikalisch geprägt, nutzten eben diese Lücke als Startpunkt für ihre Annäherung an die Musik und die Stille zwischen den Tönen.

Als Duo arbeiteten sie erstmals im letzten Oktober zusammen, 14 Tage lang experimentierten sie gemeinsam in Rothlaenders Studio in Reykjavik. Heraus kamen vier Songs, die am letzten Abend den ZuhörerInnen in einem intimen Kopfhörer-Konzert vorgestellt wurden: die Geburtsstunde von Vil. Nun sind die beiden in nördlichen Gefilden auf Tour – für Konzerte und auf dem Weg zu ihrem Debut-Album...

 

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Di., 27.09.2016, 21.00 Uhr
Nörgelbuff
VVK 10 € // AK 12 € // Kulturticket

Unhappybirthday

04.10. | [...] | 21.00 Uhr

© Hannah Lora Freeman

Das ist lo-fi. Das ist bedroom pop. Das ist dreamy. Das ist power melancholia. Das ist what the post-punks have been up to.

 

"unhappybirthday aus Hamburg sind jung und gut; sie leiten ihre Coolness von der Pose her. Ihr Musikstrom macht copy & paste mit Krautrock, New Wave und Verzweiflung und gewinnt daraus Purismus mit Zigarette. Obwohl André, Daniel und Tobi sich ihren Namen gerade erst machen, kommen sie zurück von einer sich über den ganzen Kontinent erstreckenden Tournee. Europa exakt." (Christoph Braun)

 

"...a curiously nostalgic and comforting feel, almost as if life didn't really suck after all." (No Fear Of Pop)

"...a snow globe's blizzard of elements that are heard like gilded emotionally imbued confetti and chrome-cast glitter." (Impose Magazine)

"...that kind of downtuned 80s tiredness that was surely shaped in the basements of bored teenagers messing around with synthesizers and playing video games." (Tiny Mix Tapes)


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[…] im Börnerviertel

04.10.16, 21 Uhr

AK 7 €/ Kulturticket

Allie

19.10. | [...] | 21.00 Uhr

© Mariana Zarpellon

Man begegnet ihm öfter da draußen. Diesem Charakter, der ziemlich viel von sich hält und das alle anderen schon gern mal wissen lässt. Aber er macht’s halt auf die charmante Art und nicht einfach wie so ein blasierter Angeber, weshalb man ihm dann auch nicht wirklich böse sein kann. Allie skizziert diesen Typus in seinem Song „This Is How I Go“ als Kunstfigur, die noch im Sterben voller Selbstüberhöhung deliriert. Mit der Single aus seinem vierten, schlicht Allie betitelten Album kultiviert der Berliner Musiker einen durchaus auch komischen Hyper-Realismus. „Solche Typen stecken in fast jedem Song der Platte“, sagt Allie. „Sie sind einerseits anmaßend, haben aber diesen inneren Stolz, wie Figuren in einem Wes Anderson-Film. Das spiegelt sich auch im Pathos der Musik wider: die Stücke sollen emotional treffen, mit den Chören, den großen Synthesizern, sollen kitschig, aber nicht lächerlich sein.“

 

Was Allie ist und was eher nicht – darüber gingen die Meinungen 2013 bei seinem letzten Album weit auseinander. Uncanny Valley, so notierte staunend Zeit Online, hake sich „ins Gemüt wie ein Klettverschluss“ und sei vermutlich „zu schön um wahr zu sein.“ Für die Radiokollegen von Byte.FM klang die Musik „süß und traurig und klebrig, wie eine bunte Tüte vom Kiosk.“ Die Rote Raupe attestierte dem Künstler „ein bezaubernd eigenständiges Album“, welches durch „Witz, Zurückhaltung und Verschrobenheit“ besteche. Tja, und dann war Allie auch noch „der leiseste Rapper der Welt“ (Whiskey Soda). Rapper, Klettverschluss oder Kiosk-Tüte: Leise wurde Allie jedenfalls ausgerechnet in New York, in einem sehr hellhörigen Kämmerlein, das doch eher zum Flüstern zwang. Der sechsmonatige Aufenthalt im Winter 2009 brachte zudem seinen ersten Auftritt als Allie (im nahe gelegenen Woodstock) und schließlich samt Musik sogar noch eine kleine Film-Einlage, neben dem großen Paul Giamatti (Sideways, Barney’s Version) in Episodes of Stalite III – Tarth. Zuvor hatten Allie’s Bruder und ein dann nach Südamerika abgewanderter Trommler bereits in der obligatorischen Punk-Band mitgetan, die Allie bis 2007 „aus Scheiß und Langeweile“ mit „Spaßmusik“ gefüttert hatte.

 

Nach Uncanny Valley und der Studioarbeit mit Johann Scheerer (Clouds Hill) kehrte Allie für Allie wieder zum Do-It-Yourself-Ethos seiner Frühwerke Mimi King (2010) und New Friends (2011) zurück. Indes mit ganz anderer Prämisse. „Ich bin es jetzt mit viel mehr Sorgfalt und Genauigkeit angegangen“, erläutert er. „Habe lange an Sounds gefeilt und mich nicht mehr so schnell zufrieden gegeben, während für die ersten beiden Alben oft schon die Demo-Versionen reichten. Auch für einzelne Vocals habe ich mir tagelang Zeit genommen – und nicht nur ein paar Stunden wie im Studio. So konnte ich viel ausprobieren, verschiedene Sounds und Stimmen übereinander schichten.“ Dabei vertraute Allie „einfach voll meinen Ohren“ und versuchte, „die Studio- Erfahrung des letzten Albums aufs Home-Recording zu übertragen.“ Was ohne „die Ressourcen um mich herum“ kaum geklappt hätte. Ohne die Freunde mit Heimstudio (wie die uns gut bekannten SEA+AIR). Ohne Bekannte, die als Gastmusiker auftreten. So sorgt gleich zum Auftakt mit „Wtf4“ der Berliner Rapper und Dichter Black Cracker für einen wegweisenden Akzent. „Ich wollte unbedingt ein spoken word-Stück auf dem Album haben, und ich kenne niemanden, der Texte so vortragen kann wie Cracker. ‚Wtf4‘ ist für mich wie die Einleitung zu einem Buch.“ Pianist Nuño und die Opern-Stimme von houaïda bereichern dann weitere Kapitel wie „Needle In The Hay“ und „The Great“, ein Song, der das Unvermögen zu trauern und daraus resultierende Schuldgefühle auf den Punkt bringt. An den eigenen Ansprüchen scheitern in „Emo On A Beach“ in einem heruntergekommenen Urlaubsort auch die verlorenen Strandbar-Gestalten, die sich herzlich misstrauen und doch nicht voneinander lassen können. „No No No No“ bringt das verstörende Bild des Pharaos, der sich dann doch nicht raustraut aus seinem Sarg. Auch eine Form der Anmaßung: Immer wieder auf Menschen zu warten, die doch bitte bestimmte Erwartungen erfüllen sollen. Bis man vor lauter Erwartung ewig warten wird. Es sind Songs, die man so in dieser Konsequenz und dem Mut zur großen Geste noch nicht gehört hat von Allie. Das schwebende „The One“ gemahnt hingegen eher an Pink Floyd. „Ich hab viel kitschigen Stadion-Pop gehört, als ich das Album aufgenommen habe, viel Michael Jackson-Balladen wie ‚Human Nature‘. Aber vor allem New Age-Musik von Enya bis Suzanne Ciani“, sagt Allie. Den anderen, aggressiveren Pol des Albums bilde zudem der Einfluss von Trap-Hip-Hop: „Was New Age und Trap für mich verbindet ist diese überwältigende, emotionale Direktheit.“

 

Und wie kam es zu dem Albumcover? „Ein Einhorn ist ja ein total ausgelutschtes Symbol“, erläutert Allie. „Fast so verboten wie bestimmte Pop-Sounds. Ich wollte versuchen, doch noch irgendwie was Cooles daraus zu machen. So eine Art bekloppte Schönheit zu finden.“ Und bei einem Film-Freak wie Allie ist das Fabeltier natürlich auch als Referenz an die Traum-Sequenz in Ridley Scotts Sci-Fi-Klassiker „Blade Runner“ zu verstehen, den Vangelis mit einem betörenden Soundtrack ausgestattet hatte. „Ich denke, das passt auch ganz gut zur Stimmung meines Albums. Also eher düster und neblig, aber dann immer wieder dieser scharfe Lichteinfall.“ Eine ähnliche Atmosphäre schwebt Allie auch für die kommenden Live-Shows vor: Der Song-Flüsterer, der bisher brav hinterm Tischchen saß, hat dann ausgedient. Allie will seine neuen Stücke diesmal auch visuell ansprechend umsetzen: Mehr Licht, mehr Show, mehr Sinne, die sich angesprochen fühlen dürfen. Scheint so, als ob der Sound-Zauberer aus Berlin jetzt Ernst machen will.

 

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[…] im Börnerviertel

19.10.16, 21 Uhr

AK 7 €/ Kulturticket

Vaadat Charigim

29.10. | [...] | 21.00 Uhr

© Goni Riskin

Vaadat Charigim gründete sich 2012 in Tel Aviv. Das Shoegaze/Dream Pop-Trio ist seitdem eine der einflussreichsten Band für die israelische Rock-Szene und hat – obwohl oder gerade weil ausschließlich auf Hebräisch textend – auch in vielen anderen Ländern Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Allein dadurch sind Vaadat Charigim eine Ausnahmeerscheinung in der israelischen Szene.

Ihr distinktiver Sound setzt sich aus einer uniquen Mischung von typisch israelischem Rock der 80er und 90er Jahre, internationalem Indie derselben Zeit und der rhythmischen Charakteristik der Hebräischen zusammen.

Ihr zweites Album, „Sinking as a Stone“ erschien im Mai bei Burger Records und schließt an die erste LP, „The World is Well Lost“ an: Die Suche nach Bedeutung in einer chaotischen, von Kriegen zerrissenen Welt hält an. Allerdings geht es jetzt weniger um das Aushalten von Katastrophen als um Langeweile, in ihrer existenziellen Form: Ein Moment der Klarheit, des In-der-Gegenwart-Seins, der Selbstwahrnehmung. Jeder Song untersucht einen Aspekt, einen Zustand der Langeweile, in dem man sich befinden kann – Warten, Hoffnung, Tod, Hoffnungeslosigkeit, Großstadteinsamkeit und so weiter. Gleichzeitig ist das Album der zweite Teil einer Tel Aviv-Trilogie, in den meisten Songs geht es um die Gefühlslage und Gedankenwelt der lokalen Boheme.

 

https://anovamusic.bandcamp.com/album/sinking-as-a-stone

https://www.facebook.com/vaadatcharigim

http://www.papermag.com/israel-exposed-learning-from-the-band-vaadat-charigim-1427197965.html

 

[…] im Börnerviertel

29. 10.16, 21 Uhr

AK 8 €/ Kulturticket